Kleine Kulturgeschichte der Marmelade

Der Name der Marmelade stammt vom portugiesischen Wort "marmelo" für Quitte ab und meint  ursprünglich ein mit Zucker eingekochtes Fruchtmus. Marmelade gibt es schon sehr lange. Den Beweis dafür lieferten bei Ausgrabungen aus dem alten Rom gefundene Tongefäße, in denen Reste von Zwetschgenmus in Verbindung mit Rohrzucker nachgewiesen wurden – der Vorläufer unserer heutigen gelierten und mit Zucker eingekochten Marmelade!

Streng genommen bezeichnet der Begriff Marmelade heute nur Fruchtmuse, die aus Zitrusfrüchten hergestellt werden. Im Englischen ist das sehr deutlich: marmelade bezeichnet nur die aus Bitterorangen hergestellte Spezialität, alle anderen Fruchtaufstriche heißen jam.
In Deutschland, wo fruchtige Brotaufstriche zum Frühstück eine lange Tradition haben, hat die Begriffsgeschichte eine kuriose Wendung durchlaufen. Bis 1982 wurden offiziell Zubereitungen aus zahlreichen Früchten als Marmeladen bezeichnet, der Unterschied zur Konfitüre bestand darin, dass hier noch Fruchtstücke erkennbar waren, in der Marmelade hingegen nicht. Seit Inkrafttreten der Konfitürenverordnung am 26. Oktober 1982 (kein Scherz!), heißen in Deutschland offiziell nur noch Fruchtaufstriche aus Zitrusfrüchten Marmelade. Die meisten anderen gelierten Aufstriche aus Früchten und Zucker heißen Konfitüren.
Seit 2003 gilt jedoch eine Ausnahmeregelung, nach der Kleinerzeuger, und damit auch wir als Marmelade für Alle!-VertreterInnen, den alten Begriff Marmelade wieder verwenden dürfen, egal ob in unserem Produkt Zitrusfrüchte enthalten sind oder nicht.

Zur Erfindung der typisch schottischen Bitterorangenmarmelade, der marmelade gibt es eine Anekdote, die gut zur Idee von Marmelade für Alle! passt. Und zwar heißt es, dass die Kaufmannsfrau Janet Keiller, die einen Süßwarenladen betrieb, diese Marmelade erfand, als ihr Mann eine größere Partie Bitterorangen billig aufkaufte. Diese waren mit einem spanischen Schiff, das aufgrund eines Sturms den Hafen von Dundee anlaufen musste, in Schottland gelandet. Die Orangen waren nicht mehr ganz frisch und roh ungenießbar, also hackte die findige Süßwarenhändlerin sie sehr klein und kochte sie mit viel Zucker zu einem Fruchtaufstrich ein, der in ihrem Laden unter dem Namen marmelade großen Anklang fand. Auch heute noch ist die Orangenmarmelade als Teil eines typisch englischen Frühstücks nicht mehr wegzudenken.

Definitionen

Marmelade (v. portug. marmelo, Quitte, Schachtelsaft), mit Zucker eingedicktes Mus von Aprikosen, Erd- und Himbeeren, Kirschen Quitten, Ananas, Orangen, Pfirsiche ec [?! KS], wird warm in Schachteln, Gläsern oder Büchsen gegossen und kommt besonders Italien und Frankreich in den Handel.“ Meyers Konservations-Lexikon 4. Auflage 1890.


Marmelade (vom portug. marmelo, d.h. Quitte), ein gelee- oder gallertartiger Brei aus Früchten (s. Einmachen). Die besten Sorten M. liefern Italien, Südfrankreich, die Vereinigten Staaten, die Pfalz und Unterfranken.“ Brockhaus Konversations-Lexikon 14. Auflage 1894.


Marmelade [portug., von marmelo ‚Quitte‘] w, mit oder ohne Zucker eingekochte, von Steinen, Stilen Kernen befreite frische, vollwertige Früchte (Mark). Man Unterscheidet Einfruchtmarmeladen und gemischte M. (Zwei-, Drei-, Vierfrucht), erstere stets nach der verwendeten Fruchtart benannt, ferner Jam oder Konfitüre, die nicht eigentlich breiige Beschaffenheit haben (in der die M. auch Mus oder Fruchtmus genannt wird) sondern kaum zerkleinerte Früchte enthalten, also mehr fruchtig beschaffen sind. […]“  Der Große Brockhaus, 15. Auflage, 1932.


Marmelade [portugies. von marmelo ‚Quitte‘], ein Brotaufstrich aus frischen oder frisch erhaltenen, entstielten und entkernten Früchten, die mit Zucker eingekocht werden. Man unterscheidet Einfrucht- und Mehrfruchtmarmelade. Jam und Konfitüre enthalten noch größere Fruchtstücke. Der Handel mit M. wird durch die VO über Obsterzeugnisse vom 15.7.1933 geregelt. (? Obst)“ Der Große Brockhaus, 16. Auflage, 1955.


Marmelade [port., eigtl. >>Quittenmus<<, zu marmelo >>Quitte<<] die, -/-n, nach der der Konfitüren-VO vom 23.10.2003 nur zulässige Bez. für eine streichfähige Zubereitung aus Wasser, Zuckerarten und einem oder mehreren der folgenden Erzeugnissen: Pulpe, Fruchtmark, Saft sowie aus wässrigen Auszügen oder Schalen von Zitrusfrüchten. Für 1000g M. müssen mindestens 200g Zitrusfrüchte verwendet werden, von denen wiederum 75g dem Endokarp entstammen. (? Konfitüre.)“ Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden. 21. Auflage, 2006.

Kontakt

Dr. Karsten Schulz
Referent für Evangelische Jugend in ländlichen Räumen
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