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17.02.2015 22:22 Alter: 2 yrs

Fastenaktion 7 Wochen… mit bzw. ohne…


In der Passionszeit wird von Christen zur Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ aufgerufen. Zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag sind alle eingeladen, diese Zeit bewusst zu gestalten und ihre Alltagsgewohnheiten zu überdenken. Dies kann zum Beispiel durch Verzicht auf Genussmittel wie Alkohol, Nikotin oder Süßigkeiten oder Bequemlichkeiten wie Fernsehkonsum, Fertiggerichte oder Internet stattfinden. Durch bewussten Verzicht entwickelt man neue Perspektiven, stellt vielleicht fest, was Lebensqualität ausmacht und es entsteht die Einsicht: 7 Wochen OHNE sind auch 7 Wochen MIT.
Marmelade für Alle! weist auf drei Fastenaktionen besonders gerne hin, denn diese haben einen besonderen Bezug zu der Kampagne. Jede Aktion hat eine andere Herangehensweise, sich mit Themen von Marmelade für Alle! auseinanderzusetzen. Und vielleicht hast Du Lust, alleine oder zusammen mit Freunden, mitzumachen:

7 Wochen ohne versteckte Zucker…

Ein Interview mit David Katz über „Essen sie richtiges Essen!“ im ZEITmagazin (vgl. 3/2015, S.12ff.) war ausschlaggebend für die Fastenidee, auf versteckte Zucker zu verzichten.

Manche sagen, Zucker sei prinzipiell Gift! Das ist albern, denn der Körper braucht Glukose. Wie alles aber, ist auch Zucker ab einer bestimmten Menge ungesund (Die Dosis macht das Gift) und die meisten von uns nehmen viel zu viel Zucker zu sich. Zucker ist zwar ein schneller Energielieferant (viele Kalorien), trägt aber bei übermäßigem Konsum zur Fettleibigkeit und zur Insulinresistenz bei. Zucker ist eine günstige Zutat und wird in vielen Dingen auch als Geschmacksverstärker beigemischt.

In der Marmelade ist Zucker kein Problem. Hier wird er zur Konservierung benötigt. Auf ein Kilo Frucht kommt ein Kilo Zucker (bei 1:2 und 1:3 Gelierzuckern sind zusätzlich Konservierungsstoffe enthalten), das ist OK. Und dass in Kuchen, Schokolade und Limonade viel Zucker enthalten ist, weiß eigentlich auch jede(r).

Das Problem liegt bei den versteckten Zuckern: Es stecken große Mengen Zucker in Produkten, bei denen man es nicht erwartet. David Katz: „In einem gewöhnlichen Supermarkt gibt es Pastasoßen, die mehr Zucker enthalten als Eiscreme. Oder Salatdressings in Flaschen: voller Zucker. Wer würde zu Hause in seiner Küche ein Paket Zucker über seinen Salat kippen? Niemand. Aber die Industrie kippt den Zucker in unser Dressing, und wir kippen das Dressing über unseren Salat. Und dann meinen wir, wir hätten etwas Gesundes gegessen. Wir essen also Zucker im Salat, wir essen Zucker in den Spaghetti, im Brot, in Kartoffelchips. Und warum tut uns die Lebensmittelindustrie das an? Damit wir mehr essen, als wir wollen. Damit wir nicht genug davon kriegen und uns systematisch überessen.“

Die Fastenaktion „7 Wochen ohne versteckte Zucker“ setzt hier an und will ein größeres Bewusstsein für die Verwendung von Zucker schaffen. Bei dieser Fastenaktion muss auf Zucker nicht komplett verzichtet werden. Aber man sollte darauf achten, ob er auch in die Lebensmittel hinein gehört, die man gerade essen möchte. Wie weit man dabei geht, muss man mit sich selbst aushandeln. Auf Süßigkeiten zu verzichten, aber fertig Salatdressing mit Zucker zu verwenden wäre ein Wiederspruch. Marmelade, Schokolade und selbstgebackener Kuchen sind in Ordnung. Entzug für die Geschmacksnerven! Am Anfang wird das nicht leicht sein und bei allen Produkten muss man die Zutatenliste genau studieren. Und vielleicht greift man häufiger zur Schokolade als sonst. Aber dann wird es klar, wie sehr man auf Zucker getrimmt ist. Dann wird es vielleicht einfacher, zu sagen: „Nein, das ist zu viel Zucker. Auf die  Schokolade verzichte ich lieber!“

David Katz: „Das schöne ist aber, dass sich der Geschmackssinn anpasst. (…) Wenn man keine Softdrinks trinkt und keine Salatsoße in der Flasche kauft, wenn man nach und nach jedes einzelne Gramm Zucker streicht, werden die Geschmacksnerven sensibler auf Zucker reagieren, falls sie ihn doch mal bekommen. Am Ende wird das Kuchenessen wird also sehr befriedigend sein. Wenn man ständig Zucker isst, braucht man eine höhere Dosis Zucker, um ein Dessert noch als Dessert wahrzunehmen.“

Strichcodefasten

Die Marmelade für Alle!-Aktivistin Sophia Reis hatte letztes Jahr die Idee, auf alle Lebensmittel mit Strichcode zu verzichten. Wer wie sie auf Strichcodes verzichtet, muss vermutlich seinen gesamten Lebensmitteleinkauf neu strukturieren: Denn fast alle Lebensmittel im Supermarkt sind mit einem Strichcode versehen, um von der Scannerkasse erfasst und abgerechnet werden zu können. Es gilt also, Alternativen zu der in der Regel industriell gefertigten Massenware aus dem Supermarktregal zu finden.

Strichcodefastende verzichten somit auf die Bequemlichkeit, alle Lebensmittel quasi rund um die Uhr an einem Ort einkaufen zu können. Dafür begeben sie sich auf eine kulinarische Entdeckungsreise in der jeweiligen Region: Wo gibt es Direktvermarkter, Wochenmärke, Lebensmittelhandwerker, kleine Manufakturen und Spezialitätenlädchen, bei denen man strichcodefreie Lebensmittel kaufen kann?

Ein positiver Nebeneffekt beim Strichcodefasten ist der stark reduzierte Verpackungsmüll: Denn Strichcodes befinden sich auf der Verpackung der Lebensmittel. Wer auf lose Lebensmittel zurückgreift, kann darüber hinaus selbst bestimmen, welche Menge er kaufen möchte.

Auch in diesem Jahr verzichtet Sophia Reis wieder auf Strichcodes. Unter www.strichcode-fasten.de berichtet sie über Erlebnisse, Erfahrungen und Entdeckungen, die sie in der strichcodefreien Zeit macht.

7 Wochen mit… Produkten aus Fairem Handel und der Region

Die Ökumenische Fastenaktion im Norden lädt ein, sich über seinen alltäglichen Konsum Gedanken zu machen. Besinne Dich darauf, welchen Wert das tägliche Brot für Uns hat. Lasse Dich sich von dieser Fastenaktion dazu inspirieren, sich aus dem täglichen Trott heraus zu lösen und neue Wege zu beschreiten. Gestalten Deinen Alltag bewusst im Sinne eines zukunftsfähigen Konsums – fair und regional. Das geht auch mit kleinen Schritten.

Die Fastenaktion "7 Wochen mit..." lädt ein:

  • einen nachhaltigen Lebensstil auszuprobieren
  • Konsumgewohnheiten unter die Lupe nehmen
  • mit viel Genuss zu fasten
  • fair und gesund einzukaufen
  • den Fairen Handel kennenzulernen
  • Menschen begegnen - Hoffnung schöpfen
  • Luft zu holen und zur Besinnung zu kommen
  • Mit Lust anders leben und Neues ausprobieren.

Die Fastenzeit für neue Wege und Ziele nutzen: Dazu will die Ökumenische Fastenaktion im Norden anregen. Zur Fastenaktion findest Du unter: http://www.7wochenmit.info/das-isst-fair.html Anregungen für einen nachhaltigen Lebensstil, Planungshilfen für gemeindliche Veranstaltungen, Rezeptvorschläge, Meditationen und Gebete.


Kontakt

Dr. Karsten Schulz
Referent für Evangelische Jugend in ländlichen Räumen
Telefon:  0511 1215-134
E-Mail: karsten.schulz@evangelische-jugend.de